Mittwoch, 17. September 2008

Weltpremiere...

Geschafft, endlich ist mein erster Artikel bei ipsnews.net online. Könnt ihn euch gerne mal hier anschauen:

Muss allerdings zugeben, dass der Text erstens extrem lang ist -- es ist also Durchhaltevermögen gefragt -- und dass er zweitens nicht sooooo toll ist. Das Thema war recht kompliziert und mit der englischen Sprache bin ich natürlich auch noch etwas auf Kriegsfuß. Doch immerhin: Der Artikel hats ins Netz geschafft ;)

Update: Dachte ja eigentlich, dass ich jetzt wieder länger auf die nächste Story warten muss. Aber jetzt hab ich schon die nächsten zwei Themen, über die ich schreiben soll... Cool!

Sonntag, 14. September 2008

Meine neue Liebe...

(Wetter:) ...ist die Klimaanlage. Genauer gesagt natürlich, die vielen Klimaanlagen in Bussen, U-Bahnen, Büros, Einkaufszentren, Geschäften und auch sonst überall. Aus Umweltgesichtspunkten finde ich den gigantischen Energieverbrauch, den die Dinger verursachen, natürlich höchst verwerflich (als Pfadfinder ist mir die Umwelt bekanntlich besonders wichtig!!) - aber wer einmal die tropische Schwüle erlebt hat, die sich zurzeit über der Stadt breit macht, ist höllisch froh, wenn er mal für fünf Minuten in einen kühlen Bus kann.


(Wohnung:) Schließlich und endlich konnte ich in mein eigenes Zimmer einziehen, nachdem die ominösen Mitbewohner ausgezogen sind - ins Nachbarhaus ;) Mit meinem Domizil bin ich auch sehr zufrieden: Es ist groß, die Wände sind nett gestrichen, der Wandschrank ist ideal, um das alltägliche Chaos hinein zu verbannen und - was in New York nicht selbstverständlich ist - es ist extrem leise, da mein Fenster zum Hinterhof geht.


(Job:) Das Klima im IPS-Büro wird immer lockerer, wir kennen uns ja jetzt alle schon ein bisschen. Auch der Tagesablauf spielt sich ein: Im "Media Alert" der UNO checken wir jeden Tag, was am morgen so ansteht an Pressekonferenzen, Sitzungen des Sicherheitsrats, der Generalversammlung, Veranstaltungen von UN-Agencies usw. und überlegen uns, was uns interessiert und was uns für unsere Geschichten weiterhelfen könnte. Ist nichts besonderes komm ich gegen elf ins Büro (brauch ne gute Stunde dorthin), schau die unzähligen Pressemitteilungen durch, die von sämtlichen UN-Organen täglich herausgespült werden und geh dann um 12 zum "Noon Briefing" mit der "Spokesperson of the Secretary General" - der Pressesprecherin von Ban Ki-moon. Vor allem die anschließende Fragerunde ist spannend, weil man da den "alten Hasen" von Korrespondenten zusehen kann, wie sie versuchen, Infos aus der Sprecherin rauszukitzeln. Aber da die selbst eine ausgefuchste Journalistin war, ist natürlich nicht viel zu holen ;)

Derzeit arbeite ich an meiner ersten Geschichte, die auch veröffentlicht wird (werde dann einen Link hier setzen... für alle, dies interessiert ;) ) und musste mich dafür erstmal ein bisschen umstellen. Denn die Artikel sind schon sehr anders als das, was ich bisher gemacht habe. IPS will immer so viel background information wie möglich liefern. Außerdem mindestens zwei exklusive statements an IPS (... told IPS ;) ). So weit so gut: Das Problem nur - im Vergleich zur Arbeit in Nürnberg: Man muss erstmal an Gesprächspartner kommen. Man stelle sich vor: Ich arbeite mit den meisten Leuten, die ich brauche, im gleichen Haus oder sie arbeiten in der Nachbarschaft. Aber gehen sie ans Telefon oder haben nach Pressekonferenzen Zeit? Fehlanzeige. Also muss man ihnen mit E-Mails hinterhersein und dann doch noch mal anrufen, ob die E-Mail auch ankam. Gegen die UNO ist die Nürnberger Stadtverwaltung ein wahrhaft disziplinierter Haufen ;).

Das Highlight der letzten Woche (nach dem Besuch von Ingrid Betancourt) war eine Pressekonferenz mit Danny Glover, dem Hollywood-Schauspieler, den man vielleicht aus Lethal Weapon kennt. (Auf dem Foto oben der zweite von links)


(Freizeit:) Am Wochenende hab ich mal ein bisschen Flushing (siehe Foto) und den Rest von Queens unsicher gemacht und hab festgestellt, dass es auch hier einiges zu tun gibt - an Läden, Restaurants, Bars, Parks, Museen. Muss also nicht immer Manhattan sein ;) Samstagabend bin ich mit Sonja ein bisschen durch Chelsea gezogen und ins Kino und heute war ich mit meinen Mitpraktikanten im East Village. Gab dort ein Open Air Theater auf nem niedlichen Platz vor einer Kirche - umsonst natürlich. Super motiviertes Team, nette Gesangseinlagen, cooles Bühnenbild und witzige Kostüme. Und eine hervorragende Message (auch wenn sie so ganz offen nie ausgesprochen wurde): Leute, bitte geht wählen, damit wir endlich die Republikaner los sind und unsere Wirtschaft, Umwelt und unser Sozialsystem in den Griff bekommen!! Der amerikanische Pathos durfte nicht fehlen, aber ich fands trotzdem gut.

Mittwoch, 10. September 2008

Terroropfern ein Gesicht geben


Gestern hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon 18 Opfer terroristischer Aktivitäten und zehn Experten aus der ganzen Welt zu einem gemeinsamen Symposium eingeladen. Die Frage: Wie kann Terroropfern besser geholfen werden? Unter den Anwesenden waren sowohl Überlebende als auch Angehörige der Opfer von Anschlägen, die weltweit für Aufsehen sorgten: Eine Mutter mit ihrer Tochter - beide wurden damals in Beslan als Geiseln gehalten; der Mann aus Jordanien, auf dessen Hochzeitsfeier eine Bombe hochging, durch die sein Vater, seine Schwiegermutter und sein Schwiegervater sowie zahlreiche Freunde und Verwandte getötet wurden; eine Frau, deren Mutter in einem der Flugzeuge saß, das am 11. September ins World Trade Center stürzte; ein Mann, dessen Mutter und Schwester beim Terroranschlag auf Bali umgebracht wurden; Überlebende der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania und noch einige mehr. Das prominenteste Opfer war zweifellos Ingrid Betancourt, die von FARC-Rebellen in Kolumbien jahrelang als Geisel gefangen gehalten wurde.

Die Geschichten der Opfer waren wirklich nichts für schwache Nerven. Sehr ergreifend und traurig. Besonders betroffen hat mich eine Frau aus Kenia, die beim Anschlag auf die US-Botschaft vor zehn Jahren überlebte -- allerdings schwere gesundheitliche Folgen zu ertragen hatte. Dadurch verlor sie ihren Job, ihre Wohnung und all ihr Geld und muss heute in den Slums leben. Sie und viele der anderen Opfer forderten, dass sie nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Denn viele haben unter psychischen und physischen Langzeitfolgen zu leiden, erhalten aber nicht immer die nötige finanzielle, medizinische und psychologische Unterstützung.

Dienstag, 9. September 2008

NZ global


Hier noch ein kleines Häppchen aus dem "Newseum" in Washington: Jeden Tag lassen sich dort die Titelseiten von vielen verschiedenen Zeitungen in digitaler Form anschauen. Auch aus Deutschland waren ein paar dabei - natürlich auch die gute alte NZ ;)

Samstag, 6. September 2008

Von Generalsekretären und Verfolgungsjagden

35 Dollar New York - Washington, hin und zurück. Da kann man echt nicht meckern. Der Bus ist zwar in der hektischten, chaotischsten und schmutzigsten Ecke China Towns abgefahren, gut angekommen bin ich hier gestern um kurz nach Mitternacht aber trotzdem. Gleich noch eine nächtliche Wanderung durch D.C. gemacht, vorbei am Capitol - wunderbar beleuchtet, kein Mensch weit und breit - und dann hatten wir unsere große JONA-Reunion.

Heute bin ich dann mit Heidi, Sonja (die aus NY mitgekommen ist), Jo und Pierre ins "Newseum", ein brandneues Museum, das sich - passenderweise - um Journalismus dreht. Mit sehr viel Pathos, hochmodern und interaktiv aufgebaut, hat es wirklich einen guten Einblick in die Entwicklung der Medien gegeben, die wichtigsten historischen Ereignisse Revue passieren lassen (sehr ergreifend: 11. September) und ein erfreuliches (und in Deutschland selten zu hörendes) Loblied auf heldenhafte Jouralisten gesungen. Die Gefahren - z.B. bei Kiegsberichterstattung - und die Zensur, Beeinflussung durch wirtschaftliche Interessen etc. blieben auch nicht verschwiegen. Im Keller gabs sogar ein 4D Kino. Wer sich wundert, wie man in Washington D.C. als erstes im Museum verschwinden kann: Heut hat es zum ersten Mal so richtig geregnet, seit ich hier bin.

Das bisherige Highlight hier in der Stadt: Vor ner guten Stunde sind Jo und ich Zeugen einer waschechten Verfolgungsjagd zwischen einem weißen, großen Geländewagen und der Polizei geworden. Über rote Ampeln und mit quietschenden Reifen. Sehr cool ;)

Noch ein Höhepunkt, allerdings noch aus NYC: Hatte meine erste Pressekonferenz mit Ban Ki-Moon (UN-Generalsekretär)... Sehr sympatisch ist er in jedem Fall, aber irgendwie schafft er es mit seiner ruhigen Art, dass selbst dramatische Meldungen irgendwie harmlos erscheinen...

Dienstag, 2. September 2008

First steps at the U.N.


Hab euch zwar gerade eben erst mit einem Post (ihr merkt: ich bin alleine und unterbeschäftigt ;) ) zugedröhnt - natürlich gibt es aber noch was wichtiges zu erzählen: Ich hatte meinen ersten Arbeitstag!!!

Nochmal für alle, die es nicht mitbekommen haben. Mein Praktikum ist bei Inter Press Service, einer Nachrichtenagentur, die sozusagen eine "Stimme des Südens" ist, d.h. sich auf Themen spezialisiert hat, die Entwicklungsländer betreffen (macht aber nicht nur das). Wer einen Eindruck bekommen will, sollte mal auf der englischen Website vorbeischauen, dort kann man sehr viele Artikel umsonst lesen. Alle Artikel gibt's zwar auch auf deutsch... ist aber nicht kostenfrei.

Auf jeden Fall musste ich zuerst mal meine UN-Card abholen, um mich im Gebäude frei bewegen zu können. Das bedeutete wieder mal anstehen. Aber das lernt man in New York, wo selbst an Kassen und Umkleidekabinen lange Schlangen sind. Schließlich bin ich dann aber reingekommen, hab auch das IPS-Büro aufgetrieben: Eingekastelt zwischen den Büros von FOX, BBC, CNN usw. (auch dpa ist gleich um die Ecke) und ohne Fenster. Aber das wusste ich ja schon. Im Büro arbeiten vier IPS-Mitarbeiter, Chef ist Thalif Deen. Waren alle sehr nett. Außerdem sind wir fünf Praktikanten, zwei hatten heute ebenfalls ihren ersten Tag (eine aus Deutschland, eine aus Schweden). Haben dann erstmal eine Führung durchs Haus bekommen - wo sind die ganzen Konferenzen, wo holen wir morgens die ganzen Pressemitteilungen, wo sind Arbeitsplätze, wo die Cafeteria usw.. Mit der UN-Card hat man tatsächlich Zugang überall hin. Wahnsinn. Außerdem wurde uns so ein bisschen der Tagesablauf erklärt. Da ich das aber nicht völlig durchschaut habe ;) berichte ich darüber bald... ;)

Und das beste zum Schluss: Ende September beginnt die UN-Generalversammlung. Und es werden alle wichtigen (und unwichtigen) Staatsoberhäupter anreisen. Natürlich auch Angie und George W. (der seinen letzten UN-Auftritt hat)... Naja, und ich werd sie alle sehen und hören können...

Der amerikanische Rommel...

Der letzte Post ist zwar erst ein paar Tage her, in der Zwischenzeit ist aber viel passiert. Zuerst die traurige Nachricht: Marie ist am Sonntag zurück nach Deutschland geflogen :( Jetzt bin ich also wirklich mutterseelenallein hier im Big Apple.

Marie konnte natürlich nicht fliegen, ohne vorher noch alle offenen Punkte ihrer Shopping-To-Do-Liste abzuhaken. Deswegen sind wir unter anderem in den "Abercrombie & Fitch"-Store in der 5th Avenue gegangen... Meine Güte. Was für ein Laden. Sowas hat man in good old Germany noch nicht gesehen. Laute Musik, alles abgedunkelt, überall Bilder von halbnackten Modells - ein bisschen wie ein Dark Room. An jedem Treppenabsatz erwarten dich tanzende Mitarbeiter, deren einzige Aufgabe es ist, die zu begrüßen. Vor dem Eingang eine lange Schlange, in der Tür ein männliches Modell - muskelbepackt natürlich, oben ohne - mit dem die Frauen (und die in dem Laden extrem gehäuft anzutreffenden Schwulen) Fotos machen können ;) ... Naja, muss man auf jeden Fall mal erlebt haben ;)

Haben dann auch noch Flushing, Queens (mein Viertel) ein bisschen erkundet. Vor allem den Park, Flushing Meadows Corona Park, wo derzeit lauter aufgestylte Amis rumlaufen, weil dort die US-Open, die mehr Fashion- als Tennis-Event sind, stattfinden. Auch aus "Men in Black" bekannte Relikte einer Weltausstellung aus den 60ern sind zu finden:

Am Montag hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mich intensiv auf mein Praktikum vorzubereiten: Noch mal kurz die Struktur und Arbeitsweise der UNO durchgehen, die Artikel von IPS im Internet lesen, englische Grammatik anschauen und und und. Das Wetter hier ist aber sowas von gut, dass ich es natürlich nicht lange in der Wohnung ausgehalten hab. Bin dann mit dem Seven Train (der übrigens - sehr passend - "Orient Express" genannt wird) nach Manhattan, in eine der wenigen Ecken, die ich noch nicht mit der Marie angeschaut hatte. Nach East Village, wo laut Reiseführer die "Gegenkultur" beheimatet ist. Wer dort allerdings steinewerfende Autonome vermutet liegt falsch ;)

Stattdessen ist es ein wirklich cooles Viertel mit vielen kleinen Kneipen, Restaurants, niedlichen Buchläden oder Läden mit Kunst, Krempel, ausgefallenen Klamotten. Und mit vielen jungen (und jung gebliebenen) Leuten. Manche davon legen zwar etwas arg viel Wert auf ein hippiges, ich-gehöre-nicht-zum-Establishment Outfit - aber solche Leute zu beobachten ist ja auch sehr nett.


In dem Viertel (@ Eltern: durch das ich mich anhand eines Spaziergangs aus meinen New-York-Reiseführer Kärtchen bewegt habe) ist dann auch ein kleines Museum. Das Merchant's House Museum, in dem man - wie der Titel schon sagt - eine "kleine Zeitreise" (hach!) ins 19. Jahrhundert unternehmen kann. Es ist nämlich immer noch genauso eingerichtet, wie bei der Händlerfamilie, die dort im 19. Jahrhundert gelebt hat. Mit dem Museumsmitarbeiter hab ich dann gleich noch ein Schwätzchen gehalten, wobei sich herausgestellt hat, dass er nicht nur mit Nachnamen Rommel heißt, sondern sogar mit dem berühmten "Wüstenfuchs" verwandt ist. Zumindest behauptet er das ;)


(Don't Panic: Hab mich nicht gleich nach Maries Abschied nach neuen Frauen umgeschaut ;) )

Ganz allein war ich dann doch nicht die ganze Zeit, denn - ein Dank an die KAS - abends hab ich mich mit der Sonja getroffen, die ich schon von der JONA kenne und die hier ab nächster Woche ein Praktikum beim Stern macht. Waren was trinken und werden wohl dieses Wochenende zusammen nach Washington fahren, um dort Heidi, Johannes, Pierre, Jade, Insa und Carla - auch alle JONA - zu treffen. Kleine Reunion. In zwei Wochen kommt Sonjas Freund, natürlich auch ein JONAlist... ;)