Dienstag, 26. August 2008

US-Wahlkampf: It's all about emotions!

Vor lauter Geld ausgeben bin ich zwar noch nicht wirklich dazu gekommen, mich für den amerikanischen Wahlkampf hier vor Ort zu interessieren. Ein paar Bemerkungen kann ich dennoch schon liefern ;) Hab immerhin schon mehrfach die New York Times gelesen (die in Sachen Papier- und Druckqualität übrigens nicht einmal an ein deutsches Anzeigenblättchen kommt) und hab auch sonst die Augen offen gehalten.

Gut gebrüllt, Löwe!

Jedenfalls ist derzeit Parteitag der Demokraten - und eröffnet wurde die ganze Show mit lauter "emotionalen" Auftritten, die im Publikum für Tränen, Freude und Jubel sorgten (schonmal jemanden auf dem CSU-Parteitag weinen sehen? Das hat selbst Gabi Pauli beim politischen Aschermittwoch nicht geschafft)... Der letzte übrige Kennedy-Bruder - hoch in die Siebzig und schwer an Krebs erkrankt - schleppte sich auf die Bühne, um ein paar kämpferische Sätze von sich zu geben. "The old lion roars again" titelte ein Boulevardblatt. Ein anderes Qualitätsorgan schnappte sich den zweiten gefühlvollen Höhepunkt der durch und durch künstlichen und inszenierten Veranstaltung für die Titelstory: die Rede von Michelle Obama.

Überhaupt nicht verändert hat sich ihr Mann, seit er damals sie und das Baby vom Flughafen abgeholt hat... Hach! Sie und ihr Mann, beide stammen sie aus Arbeiterfamilien. Sie beweisen: Es gibt den amerikanischen Traum noch. Usw. und so fort. Am Ende der Rede folgte die Live-Schalte zu Barack, der in Kansas im Wohnzimmer einer middle class family saß. Und die kleinen Obama-Töchter durften auf die Bühne zur Mami, um mit Papi zu plaudern. Großes Kino!

GAP statt D&G

Die NYT gibt zum besten, dass Michelle ihr etwas ruppiges Image aus dem Vorwahlkampf aufpolieren muss. Auch modisch ist sie umgestiegen: Immer häufiger greift sie zum Finanzkrisenlook statt zu teuren Designerfummeln. D.h.: GAP statt D&G.

Gespannt bin ich darauf, wie die Clintons auf dem Parteitag eingesetzt werden. Nachdem die andere große Demokratenfamilie für die Eröffnungsfeier verheizt wurde, gilt es für den - meiner persönlichen, kritischen Meinung nach - nach wie vor etwas inhaltslosen und schwammigen Obama, Millionen von Hillary-Fans zu überzeugen. Und das versucht auch McCain: Überall gibt es Spots und anzeigen, die mit Hillary-Zitaten aus dem Vorwahlkampf für die Republikaner Stimmen sammeln sollen... Mal schaun was Bill und Hillary daraus machen!

1 Kommentar:

Helgo hat gesagt…

Hejho,
ham im schwedischen Fernsehn nen Teil der Clintonrede gesehn...ne mega inszenierung. Aber man muss sagen der Mann ist ein hervorragender Redner. Der verstehts ne Menge an Menschen durch seine Worte zu bewegen. Wie du scho gschriem hast "großes Kino" :)
Morgen gibts mal ne längere Email, sind gestern gut aus Schweden zurück gekommen...da dann mehr.
Grüßla ausm Frnakenland